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    <title>Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora - Beiträge</title>
    <description>Neuste Artikel im Online-Portal</description>
    <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/datum</link>
    <lastBuildDate>Fri, 15 May 2026 16:20:49 +0000</lastBuildDate>
    <item>
      <title><![CDATA[Lukas Böckmann, Karibisches Provisorium. Die deutschsprachige jüdische Diaspora auf Kuba]]></title>
      <description><![CDATA[Die Entwicklung der deutschsprachigen jüdischen Diaspora auf Kuba ist
untrennbar mit der Flucht vor der Verfolgung durch das
nationalsozialistische Deutschland ab 1933 verbunden. Bis 1945
gelangten etwa 11.000 bis 12.000 europäische Exilant:innen auf die
Karibikinsel. Unter ihnen fanden sich sowohl politisch Verfolgte als
auch jüdische Geflüchtete aus den von Deutschland besetzten Gebieten
in West- und Osteuropa, wobei sich beide Verfolgungskategorien
überschneiden konnten. Die weitaus größte Gruppe bildeten jedoch
die etwa 6.000 Jüdinnen und Juden aus dem deutschsprachigen Raum.

Fast alle von ihnen betrachteten Kuba lediglich als Zwischenstation
auf ihrer Flucht und hofften auf eine schnelle Weiterreise, vor allem
in die Vereinigten Staaten. Bis Kriegsende gelang dies jedoch kaum
mehr als der Hälfte von ihnen. Auch für diejenigen, die länger
blieben, nahm die Karibikinsel meist nur den Charakter eines
temporären Provisoriums an. Dazu dürfte beigetragen haben, dass auf
Kuba – im Gegensatz zu anderen Ländern auf dem amerikanischen
Kontinent wie den USA, Argentinien, Chile, Uruguay oder Brasilien –
damals keine bereits etablierte deutsch-jüdische Diasporagemeinschaft
existierte.

Die Geschichte der jüdischen Flucht und Migration nach Kuba ist in
Grundzügen zwar dokumentiert. Auch liegen biografische Einzelstudien
zu prominenteren Protagonist:innen vor, insbesondere des politischen
Exils. Eine systematische Darstellung, die auch die Alltagskulturen
deutschsprachiger Jüdinnen und Juden auf Kuba in den Blick nimmt,
steht hingegen noch aus.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/boeckmann-kuba</link>
      <pubDate>Tue, 24 Mar 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Susanne Bennewitz, Zwischenstation Schweiz. Eine Chance in nächster Nähe]]></title>
      <description><![CDATA[Die Schweiz blieb während des Zweiten Weltkriegs ein neutrales Land,
jedenfalls von Invasion und Besatzung verschont. Für die kleine
jüdische Gruppe in der Schweiz, nämlich weit weniger als ein Prozent
der Bevölkerung mit Heimatrecht, bedeutete dies eine relative
Sicherheit und – retrospektiv gesprochen – eine besondere Form der
Kontinuität inmitten Europas: Jüdisches Leben in der Schweiz wurde
kulturell und politisch nicht in Frage gestellt, sondern geschützt.
Jüdische Gemeinden, Hilfsorganisationen und Einzelpersonen
engagierten sich enorm für die antisemitisch Verfolgten Europas.
Dennoch durften sie nicht vielen Asylsuchenden ein Unterkommen
anbieten, denn die Schweizer Regierung sprach sich bereits vor der
großen Fluchtbewegung 1938/39 gegen Visa für Jüdinnen und Juden
aus. Die Asylpolitik der Schweiz blieb restriktiv. Sie lässt sich
für die ersten Krisenjahre mit dem Grundsatz ,Aufenthalt nur zur
Weiterreise‘ beschreiben.

Das kleine viersprachige Land zwischen den Achsenmächten erhielt
jedoch eine kulturelle, logistische und ökonomische Bedeutung für
das deutschsprachige Exil und Judentum. Die Schweiz ist daher als
Exilstation für deutschsprachige Jüdinnen und Juden während der
nationalsozialistischen Zeit wichtiger, als uns die demografischen
Angaben zu Zuwanderung und Niederlassung verraten. Insbesondere Anfang
1933 konnten politisch Verfolgte und Intellektuelle rasch in die
Schweiz einreisen, meist unter der Tarnung als Tourist:innen. Auch die
Massenflucht aus dem benachbarten Österreich nach dem sogenannten
Anschluss im März 1938 gelang häufig über Schweizer Territorium.
Während des Krieges reduzierte ein striktes Grenzregime von
Kontrolle, Festnahme und Zurückweisung auch abseits der offiziellen
Grenzübergänge die Chance auf eine illegale Einreise in die Schweiz
auf ein Minimum.

Für die meisten Menschen blieb das europäische Land nur ein
Transitort, da der Staat rassistisch verfolgten Menschen kein
Asylrecht gewährte, für europäische Zivilflüchtlinge des Terrors
niemals Sonderkontingente einrichtete und ausländischen Personen
während des Zweiten Weltkrieges nur ausnahmsweise eine Duldung
einräumte. Wer dennoch aus humanitären Gründen zwischen 1939 und
1945 in der Eidgenossenschaft geduldet war, wurde ab 1944
aufgefordert, das Staatsgebiet wieder zu verlassen – selbst wenn die
Heimkehr in das Herkunftsland nicht gewollt oder möglich war. Der
schweizerische Transmigrationsimperativ prägte die frühe Phase der
legalen und illegalen Auswanderung aus Deutschland, Österreich, der
Tschechoslowakei und Frankreich und schränkte nach Ende der
nationalsozialistischen Herrschaft nochmals die Entscheidungsfreiheit
der Geflüchteten ein, als sie die Fragen nach Lebensperspektive,
Niederlassung und Staatsbürgerschaft neu stellten.

Andersherum ist nicht leicht zu konkretisieren, welchen Einfluss die
deutschsprachige jüdische Immigration seit 1933 auf die lokale
jüdische Kultur hatte. Eine systematische Veränderung von Gemeinden
oder der sozialen Subkultur lässt sich kaum nachweisen. Dies hat mit
dem kontinuierlichen Austausch und den vielfältigen Nahbeziehungen
zwischen Deutschland und der Schweiz in den Jahrzehnten zuvor zu tun.

Die deutschsprachige jüdische Kultur in der Schweiz entstand im 19.
Jahrhundert aus der elsässischen und süddeutschen Zuwanderung. Als
der Zuzug ausländischer Menschen jüdischen Glaubens gegen Ende des
19. Jahrhunderts leichter wurde, entwickelte sich aus den kleinen
Nischengemeinden in den nördlichen Kantonen ein städtisches
Bürgertum. Doch anerkannte Religionsgemeinden blieben selten, und
kaum ein Schweizer Rabbiner im 19. oder 20. Jahrhundert besaß die
schweizerische Staatsbürgerschaft.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/bennewitz-schweiz</link>
      <pubDate>Mon, 16 Mar 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[David Jünger, Joachim Prinz (1902–1988)]]></title>
      <description><![CDATA[Geboren am 10. Mai 1902 in Bierdzan, Deutschland (heute Bierdzany,
Polen)
Gestorben am 30. September 1988 in Livingston, New Jersey, USA
Tätigkeit: Rabbiner, Politiker, Historiker
Migration: USA, 1937

Am 28. August 1963 versammelten sich in der amerikanischen Hauptstadt
250.000 Menschen zum legendären March on Washington for Jobs and
Freedom. Diese Demonstration leitete das Ende der sogenannten
Rassentrennung ein Jahr später ein und machte den Pastor und
Bürgerrechtler Martin Luther King (1929–1968) mit seinem Traum von
einer gerechten Gesellschaft ohne rassistische Diskriminierung zu
einer weltberühmten Symbolfigur des Antirassismus. Auch für die
jüdische Gemeinschaft der USA wurde der Marsch zur Ikone, nicht nur,
weil sich zehntausende Jüdinnen und Juden daran beteiligten, sondern
auch, weil mit Rabbiner Joachim Prinz einer der bekanntesten
Repräsentant:innen des amerikanischen Judentums unmittelbar vor King
auftrat.

In seiner mitreißenden Rede sprach Prinz von einer „vollständigen
Identifikation und Solidarität“ mit der afroamerikanischen
Gemeinschaft, die aus der „schmerzhaften historischen Erfahrung“
jahrtausendealter jüdischer Geschichte erwachse. Mehr noch wisse er
aber insbesondere aus seiner eigenen Erfahrung als „Rabbiner der
jüdischen Gemeinschaft in Berlin während des Hitler-Regimes“, dass
das größte Problem nicht Rassismus und Hass der Wenigen, sondern
„das Schweigen“ der Mehrheit sei. Prinz’ Auftritt in Washington,
D.C. war der Höhepunkt seines politischen Lebens und eröffnet
gleichzeitig einen Zugang zum Verständnis dieser charismatischen und
doch eigenwilligen Persönlichkeit deutsch-jüdischer
Diasporageschichte. Die Erfahrungen mit der deutsch-jüdischen
Geschichte und insbesondere mit dem Nationalsozialismus sollten
Prinz’ politisches Denken und Handeln bis ans Ende seines Lebens
prägen, wie nicht zuletzt jene Rede am 28. August 1963 eindrucksvoll
belegt.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/juenger-joachim-prinz</link>
      <pubDate>Fri, 27 Feb 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Sebastian Musch, Im heiligen Land des Buddhismus. Deutsch-jüdische Migrant:innen auf Sri Lanka]]></title>
      <description><![CDATA[Sri Lanka liegt an der südlichen Spitze des Indischen Subkontinents
und befindet sich somit geografisch fernab der großen
Migrationsbewegungen, die das deutsche Judentum im 20. Jahrhundert
prägten. Die Gesamtzahl deutschsprachiger Juden und Jüdinnen, die
Zuflucht auf der Insel fanden, lässt sich nicht genau beziffern. Für
die Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung nennt eine Quelle aus
dem Jahr 1941 „eine kleine Anzahl von Juden“ „Fünftes
Merkblatt über die Lage der Deutschen in Britisch-Indien und auf
Ceylon“; Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, München, ED
353-2-27, fol. deutscher Herkunft. Insgesamt kann man von wenigen
Dutzend Personen ausgehen, die länger dort verweilten.

Dennoch ist die Präsenz dieser Gruppe auf Sri Lanka, wo heute rund 22
Millionen Menschen leben, aufgrund von zwei Aspekten einen genaueren
Blick wert: erstens wegen der Beweggründe, die sie auf die Insel
brachten. Diese waren vielfach in der Anfang des 20. Jahrhunderts
entstandenen Begeisterung für den Buddhismus im deutschsprachigen
Raum begründet, womit sie zweifellos einen Sonderfall in der
deutsch-jüdischen Diaspora darstellten. Zweitens gingen aus ihren
Reihen trotz der insgesamt geringen Zahl mehrere bedeutende
Persönlichkeiten hervor, die über die eigene Gruppe hinaus vor allem
im asiatischen Raum wirkten und Sri Lanka bis heute prägen.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/musch-sri-lanka</link>
      <pubDate>Thu, 12 Feb 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nikolaus Böttcher, Paul Westheim (1886–1963)]]></title>
      <description><![CDATA[Geboren am 7. August 1886 in Eschwege, Deutschland
Gestorben am 21. Dezember 1963 in Berlin (West), Deutschland
Tätigkeit: Kunstkritiker, Journalist, Schriftsteller
Migration: Frankreich, 1933 | Mexiko, 1941

„Leider lebe ich ja verbannt auf einer Insel, fern von jener Welt da
drüben, zu der ich mal gehörte […]. Andererseits hat mir das
Schicksal doch die Welt des alten Mexiko geboten, die für mich ein
großes Erlebnis geworden ist.“ Paul Westheim an George Grosz,
undat. Karte aus dem Nachlass. Zit. nach Barbara Beck, „Paul
Westheim in Mexiko – Vom Exil zur Wahlheimat?“, in: Renata von
Hanffstengel u.a. (Hg.), Mexiko, das wohltemperierte Exil,
Mexiko-Stadt 1995, S. 225-232, hier S. 232. Mit diesen Worten
beschrieb Paul Westheim 1950 in einem Brief an den Maler George Grosz
(1893–1959) seine existenzielle Spannung zwischen Verlust und neuer
geistiger Heimat.

Paul Westheim war einer der führenden Kunstkritiker der Weimarer
Republik, unterhielt seine eigene Galerie in Berlin und besaß selbst
eine umfangreiche Kunstsammlung. Er steht stellvertretend für
Intellektuelle aus Deutschland, die ihre Heimat nach der
Machtübertragung 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft und
avantgardistischen, linksliberalen Haltung verlassen mussten. Vor
seiner erzwungenen Migration nach Mexiko hatte Westheim nie etwas mit
Lateinamerika zu tun gehabt – wie die meisten jüdischen
Geflüchteten, die bei ihrer Ankunft in Argentinien, Brasilien,
Bolivien oder Mexiko einen ,Kulturschock‘ erlebten.

Westheim dagegen stellt einen Sonderfall dar, da er sich
vergleichsweise schnell und erfolgreich integrierte. Er fand vor allem
in der vorkolumbischen Kunst Mexikos ein neues Betätigungsfeld, das
ihn ausfüllte und ihm eine Existenz ermöglichte. Seine Ehefrau
Mariana Frenk-Westheim (1898–2004) berichtete später, er hätte
gleich einen Tag nach seiner Ankunft in der mexikanischen Hauptstadt
das Museo Nacional de Antropología (Museum für Anthropologie)
besucht. Trotz dieser neuen geistigen Heimat blieb aber auch bei
Westheim ein Gefühl der Zerrissenheit. Er sprach zeitlebens mit
seiner Frau Deutsch und überlegte, nach Berlin zurückzukehren, wozu
es aber – abgesehen von einer Vortragsreise – nie kam.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/boettcher-paul-westheim</link>
      <pubDate>Wed, 21 Jan 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[David Jünger, Geteilte Erfahrungen: Joachim Prinz, der jüdische Kampf gegen Rassismus in den USA und der „March on Washington for Jobs and Freedom“ am 28. August 1963]]></title>
      <description><![CDATA[Am 28. August 1963 fand vor dem Lincoln Memorial der amerikanischen
Hauptstadt der „March on Washington for Jobs and Freedom“ der
afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung statt, mit insgesamt rund
250.000 Teilnehmer:innen die bis dahin größte Demonstration in der
Geschichte der Vereinigten Staaten. Bekannt ist der March on
Washington bis heute durch die ikonische Rede des amerikanischen
Pastors und Bürgerrechtlers Martin Luther King (1929–1968), in der
er über seinen Traum von einer gerechten Gesellschaft ohne
rassistische Diskriminierung sprach. Die eindrucksvolle Versammlung
mit ihren bewegenden Reden trug maßgeblich zur Abschaffung der
sogenannten Rassentrennung durch den Civil Rights Act 1964 und den
Voting Rights Act 1965 bei.

Unmittelbar vor King hatte sich an jenem 28. August 1963 der
amerikanische Rabbiner Joachim Prinz (1902–1988) aus Newark, New
Jersey, an die Menge gewandt, in der sich auch Zehntausende Jüdinnen
und Juden befanden. In seiner mitreißenden Rede begründete er das
Engagement der jüdischen Gemeinschaft für den Bürgerrechtskampf.
Dieses beruhe darauf, sich gerade aufgrund der historischen Erfahrung
jahrtausendealter jüdischer Geschichte mit dem Leiden und der
Geschichte der afroamerikanischen Gemeinschaft vollständig – so
Prinz – identifizieren zu können.

Aber auch ihn selbst verband mit dem Bürgerrechtskampf eine
persönliche Erfahrung. Prinz war in den 1930er Jahren Rabbiner in
Berlin gewesen, bevor ihn die Nationalsozialisten 1937 aus Deutschland
vertrieben. Während dieser Jahre habe er gelernt, so Prinz weiter,
dass nicht Hass und Unterdrückung der Wenigen das größte Problem
seien, sondern das Schweigen der Vielen. Abschließend forderte er,
das amerikanische Selbstverständnis, „ein Land der ‚Freiheit und
Gerechtigkeit für alle‘“ zu sein, „in einem moralisch
erneuerten und geeinten Amerika zu einer glorreichen,
unerschütterlichen Realität“ zu machen. Mit seiner Rede beim March
on Washington gelang es Prinz, die deutsch-jüdischen Erfahrungen mit
antisemitischer Unterdrückung und Verfolgung durch die
Nationalsozialisten in den US-amerikanischen Kontext zu transformieren
und im Sinne eines gemeinsamen Kampfs gegen Rassismus zu
universalisieren.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/juenger-prinz-march-on-washington</link>
      <pubDate>Wed, 21 Jan 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Rebecca Schwoch, Georg Lemchen (1902–1971)]]></title>
      <description><![CDATA[Geboren am 7. Januar 1902 in Czarnikau, Deutschland (heute Czarnków,
Polen)
Gestorben am 25. August 1971 in Wellington, Neuseeland
Tätigkeit: Arzt
Migration: Neuseeland, 1935

„Er schien sich schnell einzuleben, auch weil er unendlich dankbar
war, dass diese kleine Gemeinde ihm einen Platz geboten
hatte.“ „He quickly seemed to find his way, partly because he was
eternally grateful that this small community had made a place for
him.“ Susanna Williams, Jewish Doctors in New Zealand 1933–1945,
unveröffentlichtes Manuskript, 2008 (Übersetzung durch die Autorin).
So erinnerte sich eine der drei Töchter von Georg Lemchen
rückblickend an ihren Vater, der 1935 mit seiner Familie vor der
nationalsozialistischen Verfolgung ans andere Ende der Welt geflohen
war, um in Neuseeland ein neues Leben zu beginnen. Der Neuanfang im
ländlichen Trentham gelang ihm und der Familie nach großen
Anstrengungen. Das Leben in Neuseeland, dessen Landschaft, Klima,
Kultur und Sprache sie zunächst als fremd wahrnahmen, unterschied
sich stark von dem in Deutschland. Wie viele andere jüdische
Geflüchtete waren die Lemchens außerdem mit antideutschen
Ressentiments konfrontiert, die ihnen vor allem während des Zweiten
Weltkriegs den Weg in die neuseeländische Gesellschaft erschwerten.

Am Beispiel des Berliner Arztes Dr. Lemchen lassen sich die
Herausforderungen zeigen, vor denen aus NS-Deutschland geflohene
Ärzt:innen zunächst in Neuseeland standen. Lemchen, der trotz
jahrelanger Berufserfahrung eine ,Requalifizierung‘ im Exil erlangen
musste, gelang es schließlich, sich als Arzt zu etablieren. Trotz
anfänglicher Schwierigkeiten eröffnete er eine eigene Praxis und
engagierte sich später ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen, was
ihm viel Anerkennung einbrachte.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/schwoch-georg-lemchen</link>
      <pubDate>Fri, 07 Nov 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Josefine Langer Shohat, Alfred Wiener (1885–1964)]]></title>
      <description><![CDATA[Geboren am 16. März 1885 in Potsdam, Deutschland
Verstorben am 4. Februar 1964 in London, Großbritannien
Tätigkeit: Orientalist, Publizist, Gründungsdirektor der Wiener
Library, Verbandsfunktionär
Migration: Niederlande, 1933 | Großbritannien, 1939 | USA, 1940 |
Großbritannien, 1945

„Andere wiederum, zu denen ich mich selbst zähle, sind bereit, den
Deutschen die Hand zu reichen, die guten Willens sind. […] Sie
sollten von Menschen angesprochen werden, die im Geiste des
klassischen Deutschlands erzogen wurden und die, obwohl sie die
Zivilisation Westeuropas verinnerlicht haben, dennoch mit den
Deutschen, ihrer Sprache, ihrer Literatur und ihren wissenschaftlichen
Errungenschaften vertraut sind.“ „Others again, amongst whom I
count myself, are prepared to stretch out their hands to those Germans
who are of good will. […] They should be addressed by people who
were brought up in the spirit of classical Germany and who, while
having imbibed the civilisation of Western Europe, are still
acquainted with the Germans, their language, their literature and
their scholarly achievements. Alfred Wiener, „The Wheat and the
Chaff”, in: The Wiener Library Bulletin IV (1950), S. 17f. Mit
diesen Worten beschrieb der Publizist Alfred Wiener im Jahr 1950 seine
Hoffnung auf die Zusammenarbeit mit nichtjüdischen Deutschen. Er
selbst nahm die Rolle eines Vermittlers ein und entschied sich damit
– anders als die meisten Juden und Jüdinnen – Deutschland nach
dem Zweiten Weltkrieg nicht den Rücken zu kehren.

Wiener, der 65 Jahre zuvor in eine bürgerliche, akkulturierte
jüdische Familie in Potsdam geboren wurde, setzte nach 1945 auf eine
enge Kooperation mit nichtjüdischen Kreisen in Westdeutschland und
pflegte auch nach Ostdeutschland Kontakte. Doch trotz seiner häufigen
Reisen dorthin in den 1950er Jahren kehrte Wiener, der sein
Geburtsland 1933 nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten
verlassen hatte, nie permanent nach Deutschland zurück.

In London, wo er sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
niedergelassen hatte, leitete Wiener die nach ihm benannte Wiener
Library (WL). Sie hatte es sich – zunächst in Amsterdam unter dem
Namen Jewish Central Information Office (JCIO) – ab 1933/34 zur
Aufgabe gemacht, Material über den Nationalsozialismus, Faschismus
und Antisemitismus zu sammeln. Da Wiener bereits zu diesem frühen
Zeitpunkt die fortschreitende Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen
und Juden zu dokumentieren begann, gilt die WL als eine der ersten
Bibliotheken und eines der ersten Archive der Schoa. Zusammen mit
anderen Jüdinnen und Juden – viele von ihnen aus Deutschland –
schuf Wiener in London eine der weltweit größten Sammlungen von
Beweisen nationalsozialistischer Verbrechen und prägte maßgeblich
deren Erforschung.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/langer-shohat-alfred-wiener</link>
      <pubDate>Mon, 03 Nov 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Felix Römer, Objekte der Erinnerung: Das Rosenthal-Kaffeeservice der Familie Heyd(t)]]></title>
      <description><![CDATA[Das Foto zeigt eine Porzellantasse der bekannten deutschen
Traditionsmarke Rosenthal, die seit dem späten 19. Jahrhundert für
ihre hochwertigen Porzellan-, Glas- und Keramikprodukte bekannt ist.
Auf dem Bild steht die Tasse auf dem Esstisch in der Jerusalemer
Wohnung von David Heyd (*1945), einem emeritierten
Philosophie-Professor der Hebrew University. Heyd zählt zur zweiten
Generation von Überlebenden der Schoa in Israel. Sein Vater Hans
Heydt (1913–1968) war bei seiner Emigration aus NS-Deutschland im
Frühjahr 1934 von seinem Heimatort Köln über Italien nach Jerusalem
gelangt. Dorthin folgten ihm später auch seine Mutter Bertha Heydt
geborene Levy (1892–1975) mit seiner Schwester Liese Heydt
(1921–1988).

Vor ihrer Flucht hatte Bertha Heydt ihre gesamte Wohnungsausstattung
einer Kölner Speditionsfirma zum Transport in das britische
Mandatsgebiet Palästina übergeben, einschließlich des Kaffeeservice
und vieler anderer vertrauter Möbelstücke und Haushaltsgegenstände
der Familie. Während das Familiensilber und andere Wertsachen vor dem
Abtransport von Mitarbeitern der Speditionsfirma aus dem
bereitstehenden Container geraubt worden waren, erreichte das
Rosenthal-Kaffeeservice mit dem restlichen Transportgut unbeschadet
das Ziel.

Auf diesem Weg gingen die Überbleibsel des Kölner Familienbesitzes
in Bertha Heydts neue Wohnung in Jerusalem und später teilweise auch
in die Wohnungen ihrer Kinder und Kindeskinder ein. Ihr Enkel David
Heyd übernahm neben dem Kaffeeservice auch Sektgläser, eine
Stehlampe, einen Schreibtisch und einen Schrank. Die Tassen, Gläser
und Möbel überbrücken symbolisch die schmerzlichen Brüche, die
durch die NS-Verfolgung und die Schoa in der Familienbiografie
verursacht wurden. Durch die bewusste Verwendung solcher Gegenstände
bewahrt die Familie Heyd bis heute die Erinnerung an ihre
deutsch-jüdische Vergangenheit, auch wenn sie sich längst als
israelische Familie begreift.

Die abgebildete Kaffeetasse ist eine Quelle der materiellen Kultur.
Sie steht stellvertretend für viele andere Haushaltsgegenstände, die
zum Alltag jüdischer Familien in Deutschland gehörten. Umfangreiche
Inventare, die vollständige Wohnungsausstattungen bis ins Detail
auflisteten, finden sich in vielen Akten aus Entschädigungsverfahren
der Nachkriegszeit. Solche Listen geben Einblicke in die Wohn- und
Alltagskultur deutsch-jüdischer Familien vor der Schoa. In vielen
Fällen mussten die aufgelisteten Wohnungsausstattungen
zurückgelassen werden oder sie wurden geraubt und gingen
unwiederbringlich verloren. In anderen Fällen – wie bei Bertha
Heydt – konnten die Geflüchteten die Gegenstände retten.

Vertraute Objekte wie das Rosenthal-Kaffeeservice begleiteten ihre
Besitzer:innen, als sie in neuen, zunächst fremden Umgebungen
ankamen. Die Gegenstände erfüllten dort praktische Zwecke und waren
zugleich mit Bedeutungen, Erinnerungen und Emotionen aufgeladen. Die
Historisierung solcher Objekte schärft den Blick für die
Zusammenhänge zwischen materieller Kultur, Migrationsgeschichte und
Erinnerungskultur der deutsch-jüdischen Diaspora.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/roemer-rosenthal-kaffeeservice-der-familie-heydt</link>
      <pubDate>Mon, 03 Nov 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Leonie S.E. Schottler, Die Autobiografie von Amos Fröhlich: Brückenbauer der deutsch-israelischen Annäherung und letzter Zeitzeuge der sogenannten Rexinger Juden]]></title>
      <description><![CDATA[Amos Fröhlich wurde 1930 in eine jüdische Familie geboren, die aus
dem schwäbischen Rexingen stammte und der kurz vor den
Novemberpogromen 1938 die Flucht in das britische Mandatsgebiet
Palästina gelang. In seiner Autobiografie beschreibt Fröhlich seine
Lebens- und Familiengeschichte, den Aufbau der Siedlung Shavei Zion in
Israel und den wachsenden deutsch-israelischen Austausch. Sein
Erinnerungstext wurde 2020 auf Deutsch veröffentlicht. Er basiert auf
Erinnerungen, dem Austausch mit anderen Zeitzeug:innen sowie auf
persönlichen Dokumenten und Fotos.

Fröhlich verfasste die Autobiografie 2012 zunächst auf Hebräisch
für seine Familie und Freund:innen. Anschließend übersetzte er sie
mündlich ins Deutsche. Wie viele als Kinder geflohene Mitglieder der
deutsch-jüdischen Diaspora spricht er fließend Deutsch, das nach der
Flucht für viele Jahre den Alltag der Familie prägte. Die
Transkription erfolgte durch die Buchhändlerin Barbara Staudacher und
den Verleger Heinz Högerle, die sich seit vielen Jahren im Träger-
und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen sowie im
deutsch-israelischen Austausch engagieren. Diese Entstehungsgeschichte
unterstreicht den Charakter der Quelle als Zeugnis enger werdender
deutsch-israelischer Beziehungen.

Auf dem blau-weiß gestalteten Umschlag der Autobiografie –
angelehnt an die Nationalfarben Israels – ist ein Foto der Familie
Fröhlich vor ihrer Flucht aus Deutschland zu sehen. Das Buch enthält
mehrere kurze autobiografische Texte anderer Familienmitglieder sowie
171 Abbildungen, zumeist aus Fröhlichs Familienbesitz und dem Archiv
in Shavei Zion. Es ist somit ein generationsübergreifendes Dokument.
Fröhlich selbst steht stellvertretend für die in Deutschland
geborenen Kinder, denen mit ihren Familien die Flucht gelang. Ihre
Erfahrungen unterschieden sich häufig stark von denen der
Erwachsenen, was zu intergenerationalen Spannungen führen konnte.
Während die Erwachsenen der Gründergeneration von Shavei Zion viele
Quellen über den Aufbau der Gemeinschaft hinterließen, bietet
Fröhlichs Autobiografie Einblicke in die Lebenswelten und
Erinnerungen der jüngsten Mitglieder der deutsch-jüdischen Diaspora.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/schottler-autobiografie-amos-froehlich</link>
      <pubDate>Mon, 20 Oct 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
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