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    <title>Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora - Beiträge</title>
    <description>Neuste Artikel im Online-Portal</description>
    <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/datum</link>
    <lastBuildDate>Wed, 14 Oct 2026 09:55:00 +0000</lastBuildDate>
    <item>
      <title><![CDATA[Laura Brüggemann, Sammlung Peter Lilienthal innnerhalb der Bibliothek des Moses Mendelssohn Zentrums]]></title>
      <description><![CDATA[Der im November 1927 in Berlin geborene Filmemacher Peter Lilienthal
starb 2023 in München. Aufgewachsen in Uruguay, wohin er 1939
zusammen mit seiner Mutter und Großmutter emigrieren konnte, kehrte
er Mitte der 1950er Jahre nach Westdeutschland zurück. Als
Filmemacher zählte Lilienthal, obwohl er diese Zuschreibung ablehnte,
zu den wichtigsten Regisseuren des Neuen Deutschen Films. Dessen
Vertreter:innen wandten sich gegen das westdeutsche Nachkriegskino und
rückten gesellschaftskritische Themen in den Mittelpunkt. Lilienthals
Werk zeichnete sich darüber hinaus durch zahlreiche internationale
Koproduktionen aus, insbesondere mit lateinamerikanischen Ländern.

Lilienthals Nachlass kam nach seinem Tod in das Archiv der Akademie
der Künste in Berlin, mit der er als Gründungsdirektor der 1984
gegründeten Sektion Film und Medienkunst eng verbunden war. Die
Akademie nahm jedoch nicht seine Bibliothek auf. Stattdessen fand die
Nachlassbibliothek 2024 einen Platz im Moses Mendelssohn Zentrum für
Europäisch-Jüdische Studien, das einen Sammlungsschwerpunkt im
Bereich Gelehrtenbibliotheken hat und diese in Potsdam bewahrt und
erschließt. Lilienthals breit gefächerte Interessen und
Arbeitsprozesse haben Spuren in der Bibliothek hinterlassen. Einen
bedeutenden Teil bildet der überlieferte Buchbestand zu
Lateinamerika, in dem sich seine deutsch-jüdisch-uruguayische
Biografie ebenso widerspiegelt wie seine langjährige filmische
Auseinandersetzung mit der Region. Sein Lebensweg und sein Nachlass
machen damit kulturelle Verflechtungen und transnationale Erfahrungen
der deutschsprachigen jüdischen Diaspora zwischen Europa und
Lateinamerika sichtbar.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/brueggemann-nachlassbibliothek-peter-lilienthal</link>
      <pubDate>Wed, 23 Sep 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Cornelia Wilhelm, Eine besondere historische Verbindung zum deutschen Judentum: Die deutsch-jüdische Diaspora in den USA]]></title>
      <description><![CDATA[Das Einwanderungsland USA wurde im 19. und 20. Jahrhundert zum
wichtigsten Zielland der deutsch-jüdischen Diaspora. Zwischen 1820
und 1914 wanderten rund 280.000 deutschsprachige Jüdinnen und Juden
ein; nach 1933 fanden hier rund 140.000 Geflüchtete Schutz vor der
nationalsozialistischen Verfolgung. Während die Vergabe von Visa in
den USA durch eine auf Herkunftsländer bezogene Quote reglementiert
und eine Bürgschaft zur Einreise vorausgesetzt wurde, unterstützten
mehrere jüdische Hilfsorganisationen wie das American Jewish Joint
Distribution Committee (Joint) die Neuankömmlinge aus Europa. Die
meisten von ihnen ließen sich in New York nieder, das zum Zentrum der
deutsch-jüdischen Diaspora in den USA wurde. Unter ihnen waren
zahlreiche Wissenschaftler:innen, die meist – wie viele
deutschsprachige Jüdinnen und Juden – dauerhaft im Land blieben.
Sie und andere prägten das amerikanische Judentum, gründeten
Institutionen wie das Leo Baeck Institute und formten Stadtteile wie
Washington Heights in New York. Aus dem Exil entstanden
Erinnerungsorte, eine religiöse Erneuerung und ein lebendiger
Wissenstransfer – bis heute.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/wilhelm-usa</link>
      <pubDate>Tue, 15 Sep 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Christina Wieder, Grete Stern (1904–1999)]]></title>
      <description><![CDATA[Geboren am 9. Mai 1904 in Elberfeld, Deutschland
Gestorben am 24. Dezember 1999 in Buenos Aires, Argentinien
Tätigkeit: Fotografin, Grafikerin, Lehrende
Migration: Großbritannien, 1933 | Argentinien, 1935

Grete Stern zählt heute zu den wichtigsten Vertreter:innen der
modernen Fotografie in Argentinien. Ihr wurden Ausstellungen in den
großen Museen des Landes gewidmet und auch in Deutschland begann man
in den vergangenen Jahren – spätestens seit dem Bauhaus-Jubiläum
2019 –, ihr Werk allmählich wiederzuentdecken.

Stern, die 1933 aus Deutschland fliehen musste, prägte mehrere
Generationen von Künstler:innen, insbesondere junge Frauen, die die
Fotografie als emanzipatives Medium verstanden. Ihr Schaffen zeugt von
einer Vielschichtigkeit und analytischen Tiefe, von einer modernen
Formensprache sowie einem kritischen Blick, der präzise die
politischen und sozialen Geschehnisse ihrer Umgebung in der Diaspora
kommentiert.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/wieder-grete-stern</link>
      <pubDate>Tue, 25 Aug 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Sandra Nagel, Walter Bondys Fotoatelier in Sanary-sur-Mer]]></title>
      <description><![CDATA[Auf dem Schild ist ‚W Bondy‘ zu lesen und darunter die Aufschrift
‚Photographie d‘art’ – also Kunstfotografie – mit einem
Pfeil, der auf den Eingang weist. Es handelt sich hier um die Fassade
des Fotostudios von Walter Bondy (1880–1940) in Sanary-sur-Mer in
Südfrankreich, in dem er und seine französische Frau Camille Bondy
geborene Bertron (1910–2009) von 1932 bis 1939 die deutschsprachige,
überwiegend jüdische Exil-,Community‘ fotografierten, die sich in
und um Sanary-sur-Mer herum angesiedelt hatte. Bei dem ebenfalls an
der Wand hängenden ‚Beispielfoto‘, das Bondys Künste und Stil
vorstellen sollte, könnte es sich um ein Porträt seiner Frau
gehandelt haben.

Der Fotograf Bondy porträtierte in seinem Atelier zahlreiche
Menschen, die sich zeitweise auf ihrer Flucht vor dem
Nationalsozialismus an der Côte d’Azur aufhielten. An die 3000
Aufnahmen vermachte seine Witwe in den 1980-er Jahren der
Stadtbibliothek Toulon, wo sich die Sammlung heute noch befindet.

Anhand der Namen der von Bondy Porträtierten kann man fast ein
,Who’s Who‘ der deutschsprachigen jüdischen Exilant:innen in
Südfrankreich zusammenstellen: So ließen sich dort unter anderem der
Philosoph und Schriftsteller Ludwig Marcuse (1894–1971) mit seiner
Frau Erna ‚Sascha‘ Marcuse geborene Reich (1905–1967), die
deutsch-amerikanische Malerin Eva Herrmann (1901–1978) oder der
Schriftsteller Lion (1884–1958) und seine Frau Marta Feuchtwanger
(1891–1987) nieder.

Die Fotos geben einen Einblick in eine fluktuierende deutschsprachige
sowohl jüdische als auch nicht-jüdische Exilgemeinschaft, die in
Sanary-sur-Mer und insbesondere in Bondys Atelier zusammentraf. Manche
hielten sich nur vorübergehend dort auf, gewissermaßen als
Zwischenstation; andere blieben mehrere Jahre. Einige kannten sich
bereits von früher, andere lernten sich erst in Sanary kennen und
schlossen dort Freundschaften, die auch in späteren Lebensstationen
ihrer Migration Bestand hatten.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/nagel-walter-bondys-fotoatelier</link>
      <pubDate>Tue, 04 Aug 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ruth Nattermann, Das Leo Baeck Institut. Vom deutsch-jüdischen Erinnerungsort zur globalen Forschungsgemeinschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Im Jahr 1965 blickte der Jurist Siegfried Moses (1887–1974) auf die
ersten zehn Jahre des Leo Baeck Instituts (LBI) zurück, der heute
weltweit wichtigsten Dokumentations- und Forschungseinrichtung für
die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums. Das
Institut war im Mai 1955 in Jerusalem mithilfe von
Wiedergutmachungsgeldern ins Leben gerufen worden und hatte weitere
Zentren in New York und London eröffnet. Unter den Gründern befanden
sich einige der bedeutendsten deutsch-jüdischen Intellektuellen, die
die Schoa überlebt hatten. Die meisten von ihnen stammten aus dem
liberalen deutschen Judentum. In der Gruppe, die das LBI in Jerusalem
gründete, dominierten humanistische Zionisten, die sich im Brith
Shalom („Friedensbund“) für eine jüdisch-arabische
Verständigung engagierten, darunter Martin Buber (1878–1965),
Gershom Scholem (1897–1982) und Ernst Simon (1899–1988). Sie
benannten das Institut nach dem prominenten Rabbiner Leo Baeck
(1873–1956), der als Präsident des Council of Jews from Germany die
zentrale Persönlichkeit des deutschen Judentums im Exil war.
Siegfried Moses, ehemaliger Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung
für Deutschland (ZVfD) und seit 1949 israelischer Staatskontrolleur,
hatte die Entstehung des Instituts unmittelbar miterlebt und nach dem
Tode Leo Baecks das Amt des Internationalen Präsidenten übernommen.
Seine Rückschau auf das erste Institutsjahrzehnt eröffnete 1965 den
zehnten Jahrgang des bis heute in London herausgegebenen LBI Year
Book, das zum vorrangigen wissenschaftlichen Forum auf dem Gebiet der
deutsch-jüdischen Geschichte avancierte.

In dem knapp sieben Druckseiten umfassenden Text entfaltete Moses die
Gründungsmotive, Ziele und Entwicklungen des LBI. Es ist denkbar,
dass der Beitrag auf seine Rede zum zehnjährigen Institutsjubiläum
zurückging und für die Veröffentlichung im Year Book von dessen
Herausgeber, dem Journalisten Robert Weltsch (1891–1984), redigiert
worden war. Moses wandte sich sowohl an die eigene Gruppe als auch an
eine interessierte internationale Öffentlichkeit. Sein
englischsprachiger Essay liest sich wie ein persönliches Zeugnis der
Gründergeneration, die mit der Erforschung und Dokumentation der
Geschichte des deutschsprachigen Judentums gleichzeitig an dieses
erinnern wollte. Die Symbolfigur der Gründungsversammlung im Mai
1955, der Philosoph Martin Buber, hatte die Zielsetzung des Instituts
als eine geistige Aufgabe der Überlebenden bezeichnet. Ein Echo
darauf ist in Siegfried Moses’ Worten deutlich spürbar: „Es lag
etwas Einzigartiges darin, dass es [das Institut] von Überlebenden
des deutschen Judentums nach einer gigantischen menschlichen und
politischen Katastrophe gegründet und für die Erforschung einer
historischen Ära konzipiert wurde, die mit großen Hoffnungen begann
und in einer Tragödie endete.“  Übersetzung aus dem Englischen
durch die Autorin. 

Die erste Generation des LBI war davon ausgegangen, dass mit dem
Verschwinden der eigenen Gruppe auch die Erinnerung an das
deutschsprachige Judentum verloren gehen würde. Und doch wurden 1965
die Erneuerungstendenzen des Instituts allerorts sichtbar. Moses
schrieb, dass die „Zwischenbilanz“ des LBI in vielerlei Hinsicht
die Erwartungen der Gründer bei weitem übertraf. Seit Mitte der
1960er Jahre wurde die erste Generation von einer Gruppe jüngerer,
mehrheitlich studierter Historiker abgelöst, die zumeist schon als
Kinder oder Jugendliche Deutschland verlassen hatten. Sie begannen,
neue Themenbereiche zu erschließen und Kooperationen anzubahnen, die
die Grundlagen für den bis heute anhaltenden wissenschaftlichen
Erfolg und die internationale Sichtbarkeit des LBI bilden.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/nattermann-leo-baeck-institut</link>
      <pubDate>Fri, 31 Jul 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Marlen Eckl, Francisco Gotthilf (1923–2012)]]></title>
      <description><![CDATA[Geboren am 25. Juli 1923 in Breslau, Deutschland (heute Wrocław,
Polen)
Gestorben am 27. Mai 2012 in São Paulo, Brasilien
Tätigkeit: Radio- und Fernsehmoderator, -redakteur und -produzent
Migration: Brasilien, 1938

„Zwei Dinge waren mir stets ein Anliegen: die Integration der
jüdischen Immigranten in das brasilianische Leben und die korrekte
Informierung des brasilianischen Volkes hinsichtlich des Judentums und
selbstverständlich des Staates Israel.“ Senhor Mosaico. Meio
século de história na TV. (Film). Regie: Alberto Baumstein und
Renato Sacerdote. São Paulo: Narrativa Um/Videcom 2008:
www.youtube.com/watch?v=T0qvXf49YLw Mit diesen Worten erläuterte
Francisco Gotthilf die Leitgedanken, die seine Tätigkeit als
Produzent, Redakteur und Moderator der Radio- und Fernsehsendung
Mosaico prägten. Die Erinnerungen an die nationalsozialistische
Diskriminierung und Verfolgung sowie die Flucht aus Breslau blieben
ihm zeitlebens im Gedächtnis. Daher sah er es als seine Aufgabe an,
Wissen über die Geschichte und Religion des jüdischen Volkes zu
vermitteln und zur Verankerung der jüdischen Gemeinschaft in der
brasilianischen Gesellschaft beizutragen. Auf diese Weise wurde
Gotthilf zu einem wichtigen Brückenbauer zwischen verschiedenen
Kulturen und Religionen.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/eckl-francisco-gotthilf</link>
      <pubDate>Tue, 28 Jul 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Jana V. Schmidt, Charlotte Beradt (1901–1986)]]></title>
      <description><![CDATA[Geboren am 7. Dezember 1901 in Forst (Brandenburg), Deutschland
Gestorben am 15. Mai 1986 in New York City, USA
Tätigkeit: Journalistin, Schriftstellerin, Publizistin,
Übersetzerin, Friseurin
Migration: Großbritannien, 1939 | USA, 1940

Von fremden Ländern müsse man „anders berichten […] als aus
einheimischen Städten” Charlotte Beradt an Gerhard Reitschert
(WDR), New York, 15.11.1963, Deutsches Literaturarchiv Marbach (DLA).,
meinte die Berichterstatterin Charlotte Beradt 1963, als sie schon
seit über 20 Jahren in den Vereinigten Staaten lebte. Sie ließ sich
auf dieses Wagnis immer wieder neu ein, blieb ,anders‘ und ihrer
eigenen Erfahrung von Engagement, Verfolgung und Exil treu, indem sie
sich im Kontext unbekannter Geschichten neu verortete.

Zurück nach Deutschland wollte sie nach 1945 nie. Aber ob als
Traumreporterin in den Jahren des frühen nationalsozialistischen
Terrors, als undogmatische Beobachterin in West- und Ost-Deutschland
oder als Theatergast bei afroamerikanischen Off-Broadway-Produktionen:
Die Journalistin und Übersetzerin Charlotte Beradt hat sich zur
Vermittlerin zwischen der erst erzwungenen und dann bewusst bejahten
Diaspora, den ,fremden‘ Orten und einem möglichen neuen Publikum im
Nachkriegsdeutschland gemacht.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/schmidt-charlotte-beradt</link>
      <pubDate>Thu, 02 Jul 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Lukas Böckmann, Karibisches Provisorium. Die deutschsprachige jüdische Diaspora auf Kuba]]></title>
      <description><![CDATA[Die Entwicklung der deutschsprachigen jüdischen Diaspora auf Kuba ist
untrennbar mit der Flucht vor der Verfolgung durch das
nationalsozialistische Deutschland ab 1933 verbunden. Bis 1945
gelangten etwa 11.000 bis 12.000 europäische Exilant:innen auf die
Karibikinsel. Unter ihnen fanden sich sowohl politisch Verfolgte als
auch jüdische Geflüchtete aus den von Deutschland besetzten Gebieten
in West- und Osteuropa, wobei sich beide Verfolgungskategorien
überschneiden konnten. Die weitaus größte Gruppe bildeten jedoch
die etwa 6.000 Jüdinnen und Juden aus dem deutschsprachigen Raum.

Fast alle von ihnen betrachteten Kuba lediglich als Zwischenstation
auf ihrer Flucht und hofften auf eine schnelle Weiterreise, vor allem
in die Vereinigten Staaten. Bis Kriegsende gelang dies jedoch kaum
mehr als der Hälfte von ihnen. Auch für diejenigen, die länger
blieben, nahm die Karibikinsel meist nur den Charakter eines
temporären Provisoriums an. Dazu dürfte beigetragen haben, dass auf
Kuba – im Gegensatz zu anderen Ländern auf dem amerikanischen
Kontinent wie den USA, Argentinien, Chile, Uruguay oder Brasilien –
damals keine bereits etablierte deutsch-jüdische Diasporagemeinschaft
existierte.

Die Geschichte der jüdischen Flucht und Migration nach Kuba ist in
Grundzügen zwar dokumentiert. Auch liegen biografische Einzelstudien
zu prominenteren Protagonist:innen vor, insbesondere des politischen
Exils. Eine systematische Darstellung, die auch die Alltagskulturen
deutschsprachiger Jüdinnen und Juden auf Kuba in den Blick nimmt,
steht hingegen noch aus.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/boeckmann-kuba</link>
      <pubDate>Tue, 24 Mar 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Susanne Bennewitz, Zwischenstation Schweiz. Eine Chance in nächster Nähe]]></title>
      <description><![CDATA[Die Schweiz blieb während des Zweiten Weltkriegs ein neutrales Land,
jedenfalls von Invasion und Besatzung verschont. Für die kleine
jüdische Gruppe in der Schweiz, nämlich weit weniger als ein Prozent
der Bevölkerung mit Heimatrecht, bedeutete dies eine relative
Sicherheit und – retrospektiv gesprochen – eine besondere Form der
Kontinuität inmitten Europas: Jüdisches Leben in der Schweiz wurde
kulturell und politisch nicht in Frage gestellt, sondern geschützt.
Jüdische Gemeinden, Hilfsorganisationen und Einzelpersonen
engagierten sich enorm für die antisemitisch Verfolgten Europas.
Dennoch durften sie nicht vielen Asylsuchenden ein Unterkommen
anbieten, denn die Schweizer Regierung sprach sich bereits vor der
großen Fluchtbewegung 1938/39 gegen Visa für Jüdinnen und Juden
aus. Die Asylpolitik der Schweiz blieb restriktiv. Sie lässt sich
für die ersten Krisenjahre mit dem Grundsatz ,Aufenthalt nur zur
Weiterreise‘ beschreiben.

Das kleine viersprachige Land zwischen den Achsenmächten erhielt
jedoch eine kulturelle, logistische und ökonomische Bedeutung für
das deutschsprachige Exil und Judentum. Die Schweiz ist daher als
Exilstation für deutschsprachige Jüdinnen und Juden während der
nationalsozialistischen Zeit wichtiger, als uns die demografischen
Angaben zu Zuwanderung und Niederlassung verraten. Insbesondere Anfang
1933 konnten politisch Verfolgte und Intellektuelle rasch in die
Schweiz einreisen, meist unter der Tarnung als Tourist:innen. Auch die
Massenflucht aus dem benachbarten Österreich nach dem sogenannten
Anschluss im März 1938 gelang häufig über Schweizer Territorium.
Während des Krieges reduzierte ein striktes Grenzregime von
Kontrolle, Festnahme und Zurückweisung auch abseits der offiziellen
Grenzübergänge die Chance auf eine illegale Einreise in die Schweiz
auf ein Minimum.

Für die meisten Menschen blieb das europäische Land nur ein
Transitort, da der Staat rassistisch verfolgten Menschen kein
Asylrecht gewährte, für europäische Zivilflüchtlinge des Terrors
niemals Sonderkontingente einrichtete und ausländischen Personen
während des Zweiten Weltkrieges nur ausnahmsweise eine Duldung
einräumte. Wer dennoch aus humanitären Gründen zwischen 1939 und
1945 in der Eidgenossenschaft geduldet war, wurde ab 1944
aufgefordert, das Staatsgebiet wieder zu verlassen – selbst wenn die
Heimkehr in das Herkunftsland nicht gewollt oder möglich war. Der
schweizerische Transmigrationsimperativ prägte die frühe Phase der
legalen und illegalen Auswanderung aus Deutschland, Österreich, der
Tschechoslowakei und Frankreich und schränkte nach Ende der
nationalsozialistischen Herrschaft nochmals die Entscheidungsfreiheit
der Geflüchteten ein, als sie die Fragen nach Lebensperspektive,
Niederlassung und Staatsbürgerschaft neu stellten.

Andersherum ist nicht leicht zu konkretisieren, welchen Einfluss die
deutschsprachige jüdische Immigration seit 1933 auf die lokale
jüdische Kultur hatte. Eine systematische Veränderung von Gemeinden
oder der sozialen Subkultur lässt sich kaum nachweisen. Dies hat mit
dem kontinuierlichen Austausch und den vielfältigen Nahbeziehungen
zwischen Deutschland und der Schweiz in den Jahrzehnten zuvor zu tun.

Die deutschsprachige jüdische Kultur in der Schweiz entstand im 19.
Jahrhundert aus der elsässischen und süddeutschen Zuwanderung. Als
der Zuzug ausländischer Menschen jüdischen Glaubens gegen Ende des
19. Jahrhunderts leichter wurde, entwickelte sich aus den kleinen
Nischengemeinden in den nördlichen Kantonen ein städtisches
Bürgertum. Doch anerkannte Religionsgemeinden blieben selten, und
kaum ein Schweizer Rabbiner im 19. oder 20. Jahrhundert besaß die
schweizerische Staatsbürgerschaft.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/bennewitz-schweiz</link>
      <pubDate>Mon, 16 Mar 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Christine Schmidt, Wie die deutsch-jüdische Diaspora nach dem Krieg das Geschehene dokumentierte. Die Sammlung von Augenzeugenberichten in der Wiener Library in London]]></title>
      <description><![CDATA[Mitte der 1950er Jahre begann die Wiener Library (heute The Wiener
Holocaust Library, WHL) in London ein ambitioniertes Projekt: die
Sammlung schriftlicher Augenzeugenberichte von Überlebenden der
nationalsozialistischen Verfolgung und der Schoa. Geleitet wurde die
Initiative von der deutsch-jüdischen Historikerin und Soziologin Eva
Reichmann (1897–1998), der ersten Forschungsdirektorin der
Bibliothek. Mit Unterstützung der Conference on Jewish Material
Claims against Germany (Claims Conference) begann das Projekt in
London, von wo aus Reichmann ein kleines Team von Angestellten und
Ehrenamtlichen leitete. Die Interviewer:innen waren über ganz Europa
verstreut und hatten die Aufgabe, Überlebende ausfindig zu machen,
sie zu kontaktieren und für ein Gespräch zu gewinnen.

Das Projekt wurde bis Mitte der 1960er Jahre fortgeführt, wobei es
sich konzentrisch und zentrifugal entwickelte: Von London, wo es auf
professionelle und kulturelle Kontakte in deutsch-jüdischen Kreisen
zurückgreifen konnte, dehnte es sich immer weiter aus, während das
Netzwerk aus Interviewer:innen und Überlebenden geografisch breiter
und diverser wurde. So entstand eine Sammlung von rund 1.300 Berichten
(darunter Briefe, Gedichte, Lieder und andere schriftliche Zeugnisse,
überwiegend auf Deutsch verfasst oder aus dem Deutschen übersetzt),
von denen viele später die Basis für eine von der WHL erstellte
digitale Ressource bildeten: Testifying to the Truth
(testifyingtothetruth.co.uk). Sie umfasst die Geschichte sowie das
ursprüngliche Klassifikationssystem der Sammlung und bietet zugleich
neue Möglichkeiten, sie zu durchsuchen. Das Projekt illustriert die
Reichweite und den Einfluss von transnationalen Netzwerken deutscher
Jüdinnen und Juden, die nach der Schoa neu geknüpft wurden, und die
von seinen Organisator:innen verwendete Methodologie zeigt
exemplarisch, wie deutsch-jüdische Flüchtlinge versuchten, das
Gedenken an die Schoa zu gestalten. Als Institution zeugt die bis
heute bestehende Bibliothek somit von den Anstrengungen der
deutsch-jüdischen Diaspora in Großbritannien und anderen Ländern,
die Geschichte zu dokumentieren.]]></description>
      <link>https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/schmidt-augenzeugenberichte</link>
      <pubDate>Sun, 15 Mar 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
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