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                <dc:title>Die Sammlung von Augenzeugenberichten in der Wiener Library</dc:title>
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                <dc:publisher>Moses Mendelssohn Center for European-Jewish Studies</dc:publisher>
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                <dc:type>Online Ressource</dc:type>
                <dc:description>Mitte der 1950er Jahre begann die Wiener Library (heute The Wiener
Holocaust Library, WHL) in London ein ambitioniertes Projekt: die
Sammlung schriftlicher Augenzeugenberichte von Überlebenden der
nationalsozialistischen Verfolgung und der Schoa. Geleitet wurde die
Initiative von der deutsch-jüdischen Historikerin und Soziologin Eva
Reichmann (1897–1998), der ersten Forschungsdirektorin der
Bibliothek. Mit Unterstützung der Conference on Jewish Material
Claims against Germany (Claims Conference) begann das Projekt in
London, von wo aus Reichmann ein kleines Team von Angestellten und
Ehrenamtlichen leitete. Die Interviewer:innen waren über ganz Europa
verstreut und hatten die Aufgabe, Überlebende ausfindig zu machen,
sie zu kontaktieren und für ein Gespräch zu gewinnen.

Das Projekt wurde bis Mitte der 1960er Jahre fortgeführt, wobei es
sich konzentrisch und zentrifugal entwickelte: Von London, wo es auf
professionelle und kulturelle Kontakte in deutsch-jüdischen Kreisen
zurückgreifen konnte, dehnte es sich immer weiter aus, während das
Netzwerk aus Interviewer:innen und Überlebenden geografisch breiter
und diverser wurde. So entstand eine Sammlung von rund 1.300 Berichten
(darunter Briefe, Gedichte, Lieder und andere schriftliche Zeugnisse,
überwiegend auf Deutsch verfasst oder aus dem Deutschen übersetzt),
von denen viele später die Basis für eine von der WHL erstellte
digitale Ressource bildeten: Testifying to the Truth
(testifyingtothetruth.co.uk). Sie umfasst die Geschichte sowie das
ursprüngliche Klassifikationssystem der Sammlung und bietet zugleich
neue Möglichkeiten, sie zu durchsuchen. Das Projekt illustriert die
Reichweite und den Einfluss von transnationalen Netzwerken deutscher
Jüdinnen und Juden, die nach der Schoa neu geknüpft wurden, und die
von seinen Organisator:innen verwendete Methodologie zeigt
exemplarisch, wie deutsch-jüdische Flüchtlinge versuchten, das
Gedenken an die Schoa zu gestalten. Als Institution zeugt die bis
heute bestehende Bibliothek somit von den Anstrengungen der
deutsch-jüdischen Diaspora in Großbritannien und anderen Ländern,
die Geschichte zu dokumentieren.</dc:description>
                <dc:date>2026-03-15</dc:date>
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